Wie sind Sie auf die Idee zu diesem Film gekommen?

Vilsmaier: Meine Freunde Jürgen Büscher und Hanno Huth haben mich vor drei Jahren auf diesen Stoff hingewiesen. Ich war sofort hingerissen. Eine solch abenteuerliche Geschichte läuft einem schließlich nicht alle Tage über den Weg. Noch dazu untermalt mit einer solch einzigartigen Musik. Plötzlich habe ich mich auch wieder daran erinnert, daß ich selbst einmal Schellack-Platten von ihnen besessen habe. 1953 erstand ich welche auf einem Trödlermarkt. Danach habe ich allerdings jahrelang den Kontakt zu dieser Musik verloren. Erst vor kurzem, als Max Raabe mit seinem Berliner Palastorchester solchen Erfolg mit den alten "Harmonists"-Liedern hatte, bin ich wieder darauf zurückgekommen. Dies war jedenfalls der äußere Anlaß diesen Film zu machen. Einmal von dieser Musik angeregt, habe ich mich natürlich intensiver mit dem Thema beschäftigt und meine Faszination ist dadurch nur noch weiter gewachsen. Besonders als ich den Dokumentarfilm von Eberhard Fechner gesehen habe. Da habe ich auch erfahren, daß nur noch ein einziges Mitglied der "Comedian Harmonists" lebt: Roman Cykowski. Mittlerweile ist er fast 98 Jahre alt. Letztes Jahr habe ich mich in seiner Wohnung in Palm Springs mit ihm unterhalten. Ein wunderbarer Mensch! Da stand mir deutsche Geschichte unmittelbar gegenüber. Es war erhebend. Was dieser Mann alles erlebt hat! Nach dieser Unterhaltung gab es für mich erst recht kein Zurück mehr.

Wieso war die Musik der "Comedian Harmonists" ein solch phänomenaler Erfolg?

Vilsmaier: Es gab damals eine ungeheure Sehnsucht nach Ohrwürmern und verrückten Texten. Die Leute wollten der bedrückenden wirtschaftlichen Situation entfliehen und kauften sich für drei, vier Mark die Eintrittskarte in einen andere Welt. Der Besuch des Varietétheaters hatte sich dann ja allein schon optisch bezahlt gemacht. Sechs Männer traten im Frack auf, wechselten öfter die Kostüme und sangen witzige Lieder. Vor allem dieser Humor, diese Leichtigkeit wirkte wohl ungeheuer befreiend. Und heute in einer vergleichbaren Situation erlebt man den gleichen Effekt ja wieder. Musik in der Tradition der "Comedian Harmonists" hat wieder Erfolg. Vielleicht ist dies ja auch ein erstes Anzeichen dafür, daß die Leute diese grassierende Videoclip-Kultur langsam satt haben. Mein Film ist auch alles andere als hektisch. Der Zuschauer soll sich die Bilder ansehen können, ohne ständig den Eindruck zu haben, hinterherhecheln zu müssen. Es geht darum, bleibende Eindrücke zu hinterlassen.

Wie war die Arbeit mit gleich sechs Hauptdarstellern?

Vilsmaier: Ich habe mir ja meine Wunschkandidaten in aller Ruhe ausgesucht. Dennoch war es nicht immer leicht, sechs Individualisten unter einen Hut zu bekommen. Ich hatte ja richtige Pfundskerle an Bord, jeder mit seinem eigenen Kopf und seiner eigenen Meinung. Glücklicherweise, denn so war jeder engagiert bei der Sache. Was mich besonders gefreut hat: Die Sechs wurden auch privat richtig gute Freunde. Genauso wie die "Comedian Harmonists". Die waren ja auch acht Jahre lang unzertrennlich. Sogar musikalisch waren meine Hauptdarsteller zuletzt kaum mehr von den Originalen zu unterscheiden, so intensiv haben sie die Arrangements geprobt.

Wie weit haben sie sich an die historischen Fakten gehalten?

Vilsmaier: Eigentlich ist alles, was wir im Film erzählen, wirklich so passiert. Auch die pikanten Sachen haben wir nicht weggelassen, etwa daß Romans Frau zum jüdischen Glauben überwechselte, Bootz seine jüdische Frau zu einem merkwürdigen Zeitpunkt verlassen hat, oder daß zwei der "Comedian Harmonists" zeitweise um die gleiche Frau kämpften.

Haben sie ein Faible für historische Stoffe? Auch "Herbstmilch", "Stalingrad" oder "Schlafes Bruder" spielten in der Vergangenheit.

Vilsmaier: Wahrscheinlich habe ich durch meine Kindheit eine gewisse Affinität zu der Zeit um 1945 . Auch in der Schule war Geschichte immer mein Lieblingsfach. In diesem Fach war ich immer der beste. Prizipiell ist es aber so, daß mich ein Stoff direkt anspringen muß, damit ich einen Film daraus mache. Ich muß sofort spüren, das ist es, das muß ich drehen - sonst wird das nichts.

COMEDIAN HARMONISTS behandelt nicht zuletzt auch das Thema Judenhaß.

Vilsmaier: Sicher. Das erstaunlichste bei diesem ganze Themenkomplex war ja, daß die "Comedian Harmonists" selbst nicht wußten, wieviele Juden sie eigentlich in ihrem Ensemble haben. Sie waren total unpolitisch - und das ist ihnen letztendlich zum Verhängnis geworden.

[ zurück ]